Mehrwertsteuererhöhung bringt Probleme
Der Investor liegt mit der Erschließung des Neubaugebiets Pattensen-Mitte-Nord vier Monate hinter dem Zeitplan. Die Bauherren befürchten finanzielle Nachteile.
Von Corinna Korthals und Kim Gallop
Pattensen. „Wir hoffen, dass Werretal so früh wie möglich mit der Erschließung beginnt. Denn wenn der Baubeginn erst in 2007 ist, kommen zusätzliche Kosten von 12 000 Euro durch die Mehrwertsteuererhöhung auf uns zu“, erläuterte ein 37-jähriger Fami-lienvater aus Hannover. Schon jetzt habe er 4000 Euro an seine Baufirma zahlen müssen, da die Baupreisgarantie am 24. Mai abgelaufen sei. Wenn sein Grundstück nicht bis zum 24. September baufertig sei, erhöhe sich diese Summe auf 7000 Euro. Besonders ärgert ihn, dass ein Werretal-Vertreter beim Vertragsabschluss im vergangenen Dezember mündlich zugesagt hatte, dass spätestens am 24. Mai das Grundstück erschlossen sei.
Auch organisatorische Probleme kommen auf die Familie zu: Der sechsjährige Sohn besucht nach den Sommerferien die Grundschule in Pattensen. Jeden Vormittag muss er zur Schule gebracht und abgeholt werden: 50 Kilometer pro Tag. „Das wird eine echte Strapaze“, sagt der Vater. Dem Investor hat die Familie bis zum 24. September eine letzte Frist gesetzt. Haben bis dahin die Erschließungsarbeiten nicht begonnen, will sie eine Gerichtsklage gegen Werretal anstreben. „Dann kann man sagen, dass Werretal mit uns mehr als fahrlässig umgegangen ist.“ Auch ein Bauherr aus Pattensen-Mitte leidet schon jetzt unter den Mehrkosten und kritisiert, dass er mit „fiktiven Terminen zum Erschließungsbeginn und dem ersehnten Baubeginn vertröstet“ wurde. Auch er denkt über eine Klage nach.
Ein Pattenser, der in dem ebenfalls von Werretal erschlossenen Gebiet Im Hornfeld gebaut hat, kann nicht verstehen, warum die Stadt wieder mit diesem Investor zusammenarbeitet. „Fast alle hier liegen mit der Firma im Clinch“, sagte er. Es geht um die Wasser- und Abwasseranschlüsse und Forderungen von mehreren 1000 Euro pro Grundstück. Auch im Werretal-Baugebiet Westlich Staatsarchiv gibt es deshalb offene Forderungen und juristische Auseinandersetzungen.
Im Rathaus sind die Probleme bekannt. Nach Meinung von Bürgermeister Günther Griebe sind sie entstanden, weil die Bauherren irrtümlich geglaubt haben, die Anschlussgebühren wären mit dem Kaufpreis abgegolten gewesen. Dass die Bauwilligen in Sachen Pattensen-Mitte-Nord ungeduldig werden, kann Griebe verstehen. „Der Investor hat Zeiten angegeben, die nicht einzuhalten sind.“ Kritik an der Wahl des Investors weist er allerdings zurück. „Bislang sind alle Verträge, die wir mit Werretal gemacht haben, eingehalten worden.“